Archäologische Funde an der Hartmannstraße

Archäologische Funde an der Hartmannstraße

Der Stadtarchäologe Andreas Schaub hat mit seinem ehrenamtlichen Team an der Hartmannstraße mehrere Fundstücke bergen können, die die Geschichte Aachens vom 4. Jahrhundert bis in das 16. Jahrhundert verdichten.

 

Als Ende September 2020 Bauarbeiten an der Hartmannstraße begannen, die Polleranlage erhält eine Entwässerungsanlange, ahnte Stadtarchäologe Andreas Schaub noch nicht, dass er nur wenige Tage später genau dort Alltagsgegenstände und Baumaterialien aus mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte finden würde:  „Wir haben unglaublich wichtige Informationen über die Römerzeit bis in die frühe Neuzeit erfahren. Unsere Funde sind kein kleines Mosaiksteinchen, sondern ein großer Stein“, steht für den Stadtarchäologen fest.

 

Schriftliche Quelle deckt archäologische Funde

Schaub, der die Baumaßnahmen von Anfang an begleitete, konnte anhand verschiedener Erdschichten Funde aus der Antike und dem Mittelalter sichern und erste historische Schlüsse ziehen: „Spannend ist, dass jetzt wissen, dass erst im 12. Jahrhundert der Abbruch römischer Bausubstanz beginnt. Kaiser Karl herrschte in einer römischen Stadt.“

 

Dass entlang der Hartmannstraße im hohen Mittelalter gleich mehrere Häuser gestanden haben müssen, bestätigt eine schriftliche Quelle aus den Jahren 1136/1137: „Lothar III. hat damals dem Kloster Stablo-Malmedy den Besitz mehrerer Gebäude am heutigen Elisengarten bestätigt. Die Harduinstraße, die in der Quelle genannt wird, ist heute die Hartmannstraße. Schrift und Fund decken sich“, erklärt Schaub.

Stadtarchäologe Andreas Schaub freut sich, weiße Flecken in der Stadthistorie schließen zu können. Foto: Stadt Aachen / Alicia Stollberg

Neben der Erkenntnis, dass mittelalterliches Leben in römischen Bauten länger als bisher gedacht bestand, wurden auch Abfälle aus der Eisenproduktion, Tierknochen, Alltagsgegenstände wie ein Stück eines Kamms, Scherben von Töpfen, Tellern und Schüsseln sowie Münzen gefunden: „Unsere Funde passen zu Grabungen, die wir bereits in anderen Gebieten der Stadt durchgeführt haben. Hier an der Hartmannstraße können wir ganz klar und deutlich sehen, wie lange die Stadt römisch geprägt war“, fügt er an.

Dass Archäologie nicht nur Hinweise über antikes und mittelalterliches Leben geben kann, beweist eine schmale Mauer, die Schaub ebenfalls bergen konnte. Das Präsidialgebäude, das bis zum Anfang der 1950er Jahre nahe des Doms angesiedelt war, wurde damals nicht vollends neugebaut, sondern nachweislich auf Mauern des 16. Jahrhunderts errichtet.

 

Besonderer Münzfund

„Passend zur Ausstellung im Centre Charlemagne“ empfindet der Stadtarchäologe den Fund einer Kupfermünze, die vermutlich Karl V. zugeordnet werden kann: „Wenn man genau hinsieht, ist ‚Carol‘ lesbar und ein Mann mit Bart und Krone schaut den Betrachterinnen und Betrachter direkt in die Augen. Eine historische Bestimmung wird uns weitere Informationen bringen“.

Aachen: 10 Jahre neue Stadtarchäologie

Aachen: 10 Jahre neue Stadtarchäologie

Vor zehn Jahren wurde die Stadtarchäologie Aachen neu eingerichtet. Eine öffentliche Tagung zieht Bilanz.

 

In den letzten zehn Jahren sorgten archäologische Entdeckungen in Aachen für so manche Überraschung, und einige vertraute Geschichtsbilder erfuhren Ergänzungen oder Korrekturen.

 

So weiß man heute, dass das bereits um Christi Geburt gegründete römische Aachen kein reines „Heilbad für Legionäre“ war, sondern ein urbanes Mittelzentrum mit städtischer Infrastruktur. Erstmals gelang der Beweis, dass die Römer den Markthügel mit einer rund fünf Meter breiten und mit Türmen bewehrten Mauer umfriedeten. 

 

Spektakulär waren auch die Grabungenim Weltkulturerbe Aachener Dom zwischen 2007 und 2011.
Unter anderem konnte dabei die Datierung der Bauzeit auf die Jahre zwischen 793 und 803 präzisiert werden.

 

Und die „gläsernen“ Grabungen im Elisengarten zeigten nicht nur mehr als 5000 Jahre Aachener Siedlungsgeschichte, sondern prägten auch das Verständnis der Bürgerschaft für die Frühgeschichte Aachens nachhaltig.

 

Neue Stadtarchäologie Aachen:
Die öffentliche Tagung am 12. und 13. Mai 2017 im Centre Charlemagne lässt Entdeckungen der letzten zehn Jahr Revue passieren und vertieft sie.

Den Flyer zur Vernastaltung finden Sie hier.

Skelett-Funde im Hof

Skelett-Funde im Hof

Skelette sind im Hof gefunden worden, die zu mindestens drei – vermutlich erwachsenen – Menschen gehören und offenbar in karolingischer Zeit in Aachen gelebt haben. / 05.12.2014

 

Ein bisschen kriminologisches Gespür gehört wohl auch dazu, wenn man als Archäologe die jüngsten Entdeckungen in der Baumaßnahme im Hof einordnen muss: Skelette sind dort in dieser Woche gefunden worden, die zu mindestens drei – vermutlich erwachsenen – Menschen gehören und offenbar in karolingischer Zeit in Aachen gelebt haben. Ob männlich oder weiblich, ist noch unbekannt. Ebenso, ob sie aus Aachen kommen oder eingewandert sind. Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic und Maya Stremke, Grabungsleiterin der Fa. Goldschmidt Archäologie und Denkmalpflege, können erst nach einer Strontiumisotopenanalyse feststellen, ob der Ur-Öcher möglicherweise einen Migrationshintergrund hatte. Relativ sicher sind sich die Archäologen jetzt schon, dass sie im 9. Jahrhundert gelebt haben, weil in der Schicht zwar einige römische, aber auch eine karolingische Scherbe gefunden wurde. „Der jüngste Fund bestimmt die Datierung der Schicht“, erläutert Pavlovic.

 

Bestimmung der Todesursache
Auch bei der Bestimmung der Todesursache bleibt es spannend: Einer der drei Leichname wurde offenbar bestattet. „Man hat extra ein Stück von einer Mauer, die römischen Ursprungs ist, abgetragen. Diese Mühe hätte man sich sonst nicht gemacht“, so Pavlovic. Dieses Skelett liegt aber nicht, wie in der christlichen Tradition üblich, mit dem Kopf im Westen mit Blick nach Osten, sondern etwas versetzt: Die Blickrichtung geht gegen Nordost. „Es war eine intentionale Bestattung, aber an einem ungewöhnlichen Ort“, so Pavlovic. Die beiden anderen Skelette wurden nach jetzigen Erkenntnissen offenbar nicht begraben, sondern könnten möglicherweise einem Überfall oder Unglück zum Opfer gefallen sein.

 

„Wir werden noch gut ein Jahr hier bauen“
Der Anlass der archäologischen Untersuchung ist eine Baumaßnahme der STAWAG, die derzeit die über 110 Jahre alten Versorgungskanäle am Hof in einem unterirdischen, bergmännischen Stollenbau-Verfahren erneuert. Die Bauarbeiten finden in einem Bereich statt, in dem mit rund sieben Metern die höchste Mächtigkeit an aufgeschüttetem Boden und somit eine Vielfalt von archäologischen Schichten vorhanden ist. „Wir arbeiten in einer Tiefe von etwa 3,40 bis 5 Metern“, erläutert Wolfgang Raabe, Leiter Netzplanung und Bauleitung der STAWAG. Durch das besondere bergmännische Verfahren werden die Beeinträchtigungen für Anwohner, Geschäftsleute und Gastronomen niedrig gehalten. „Die archäologische Begleituntersuchung gibt uns wertvolle Einblicke in unsere Geschichte“, so Raabe weiter. Die Kanäle sind aus dem Jahr 1895 und müssen dringend erneuert werden. „Im historischen Zentrum Aachens sind diese Einrichtungen häufig über 100 Jahre alt, der Erneuerungsbedarf ist also entsprechend hoch“, so Raabe. Dort sei aber auch die Wahrscheinlichkeit archäologischer Funde besonders hoch. Da die Innenstadt als Bodendenkmal eingetragen ist, müssen solche Maßnahmen grundsätzlich durch die Archäologie begleitet werden – und dauern häufig auch länger als vergleichbare Maßnahmen außerhalb der Innenstadt. „Wir werden noch gut ein Jahr hier bauen“, meint Raabe.

Der Anlass der archäologischen Untersuchung ist eine Baumaßnahme der STAWAG, die derzeit die über 110 Jahre alten Versorgungskanäle am Hof in einem unterirdischen, bergmännischen Stollenbau-Verfahren erneuert
Auch bei der Bestimmung der Todesursache bleibt es spannend: Einer der drei Leichname wurde offenbar bestattet
Am Büchel stand ein repräsentatives römisches Gebäude

Am Büchel stand ein repräsentatives römisches Gebäude

Archäologische Ausgrabungen fördern kostbaren Marmor-Boden zutage / 05.06.2012
 

Ein Fußboden aus Marmor, wahrscheinlich aus Italien importiert, das war auch im Aachen des 4. oder 5. Jahrhunderts ein Zeichen für besonderen Wohlstand und Reichtum. Reste eines Gebäudes aus dieser Zeit haben die Mitarbeiter von SK Archeo Consult, die die Baustelle am Büchel archäologisch begleiten, am Dienstag entdeckt. „Das ist eine große Besonderheit“, meint Stadtarchäologe Andreas Schaub, denn die Bauwerke dieser spätrömischen Epoche seien normalerweise eher aus dem Baumaterial und den Resten anderer Häuser entstanden. „Hier handelt es sich aber um einen Neubau“, so Schaub. Mit kostbarem Marmor aus Italien, Griechenland oder Belgien – woher genau, wird ein Geologe noch untersuchen. Schaub vermutet ein öffentliches, repräsentatives Gebäude, das zwischen Bahkauv und Körbergasse einmal gestanden hat. „Es war keine Badeanlage, denn das Gebäude stand deutlich höher als die Thermalquellen.“ Es liegt außerhalb der römischen Wehranlage, die aus einem Graben rund um den Markt angelegt und im 5. Jahrhundert zugeschüttet worden ist. „Das Gebäude ist abgebrannt“, so Schaub. Ob durch eine umgestürzte Öllampe, eine größere Brandkatastrophe oder durch Angriff von Feinden – das muss noch offen bleiben. Nach jetzigen Erkenntnissen besteht es aus drei oder vier Räumen, die insgesamt wohl eine Fläche von mindestens 10 mal 10 Meter umfasst haben.

 

Bereits in den sechziger Jahren wurden bei einer Grabung in unmittelbarer Nähe Marmorreste entdeckt, freilich ohne sie genau einordnen zu können. „Der jetzige Fund zeigt, dass Aachen sich in spätrömischer Zeit nicht reduziert, sondern vermutlich ausgedehnt hat“, so Schaub.

 

Vor einigen Wochen waren an der Krämerstraße Reste einer massiven, 4,63 Meter breiten römischen Steinmauer entdeckt worden, die wahrscheinlich zu einer Wehranlage gehört. Am Katschhof wurde zuvor ein dazu gehörender Spitzgraben gefunden, der etwa sechs Meter breit und zwei Meter tief gewesen ist und im Verlauf der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts verfüllt worden ist. Schaub vermutet, dass sich in römischer Zeit am Markt ein „burgus“ befunden hatte, der „ein militärisches Kontingent unbekannter Größe“ beherbergte und möglicherweise auch mit Türmen ausgestattet war. Die Karolinger haben offenbar im Bereich des heutigen Rathauses einen römischen Vorläuferbau vorgefunden und darauf die Königshalle Karls des Großen errichtet. „Aachen war am Ende der römischen Zeit noch von erheblicher Bedeutung“, konstatiert Monika Krücken, Leiterin der Abteilung Denkmalpflege und Archäologie der Stadt Aachen.

 

Bei den jüngsten Bauarbeiten am Markt haben die Archäologen zudem die Erkenntnis gewonnen, dass die heutige Jakobstraße nicht auf einer Wegeverbindung aus römischer Zeit verläuft. Der sogenannte Decumanus wird hingegen eher ein Stück in Richtung Rathaus vermutet.

 

Wann Aachen genau von den Römern bewohnt wurde, kann Andreas Schaub inzwischen auch recht zuverlässig bestimmen: Mindestens auf das Jahr 15 vor Christi datiert er den Zeitpunkt einer ersten Besiedlung – durch den Fund der Scherbe eines Aco-Bechers, der aus dieser Zeit stammt. „Aachen ist damit vielleicht älter als Köln“, meint Schaub.

 

„Die Archäologie ist zunächst ein Nebenprodukt der Bautätigkeit, aber zugleich eine große Chance, den historischen Wurzeln Aachens auf die Spur zu kommen. Das Bewusstsein dafür ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp kürzlich auf einer Pressekonferenz. Auslöser seien die zum Teil über hundertjährigen Kanäle im Kernbereich der Innenstadt, die durch die STAWAG nach und nach saniert werden. Baumaßnahmen in der Innenstadt müssen grundsätzlich durch archäologische Untersuchungen begleitet werden – eine gesetzliche Vorschrift.

Aachener Verkaufsschlager des 15. Jahrhunderts

Aachener Verkaufsschlager des 15. Jahrhunderts

Hat der berühmte niederländische Meister Jan van Eyck Aachener Keramikkünstlern Pate gestanden? Hat Gutenberg einen Mosaikstein zur Erfindung des Buchdrucks in Aachen kennen gelernt? / 25.07.2011

Die Objekte, um die sich diese Frage dreht, sind seit dem 21. Juli in Rahmen der Ausstellungsreihe „Zeitsprünge im Haus Löwenstein“ zu sehen. 

 

Bei Grabungen an der Prinzenhofstraße entdeckte die Aachener Stadtarchäologie die Abwurfgrube einer Keramikwerkstatt mit Fragmenten von Reliefs und Figuren aus der Zeit um 1430 bis 1450. Aachen war zu diesem Zeitpunkt eine wirtschaftlich florierende Stadt, zu deren Erzeugnissen neben Tuchen und Metallwaren auch künstlerisch hochwertige Keramiken gehörten. Ein Ort dem New York des 19. Jahrhunderts vergleichbar, so der Kommentar des Archäologen Wolfram Giertz. Die Keramiken des “Meltingpoints” Aachen seien sofort als Verkaufsschlager in den Fernhandel gegangen. Hier sei der Grundstein des Renaissance-Steinzeugs gelegt worden. Gerald Volker Grimm vom Kunsthistorischen Institut der Uni  Bonn legte bei der Pressevorstellung der Ausstellung gleich noch einen Superlativ drauf: Er bezeichnete die Qualität der Keramikfunde an der Aachener Prinzenhofstraße als hervorragend. Zudem habe es erstmals überhaupt eine derart schnelle und sorgfältige Dokumentation solcher Keramiken aus archäologischen Grabungen gegeben.

 

Stilistisch entsprechen die gefundenen Objekte den Werken Jan van Eyck. Dies gilt insbesondere für die Reste von Reliefs, die die Legende von der Heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen darstellen. Rein geografisch gesehen, könnten sich die  so genannten „Bilderbäcker“ und der Niederländer sogar gekannt haben, denn van Eyck stammt aus Maaseik in der Nähe Aachens und starb 1441 in Brügge.

 

Und noch eine möglicherweise bahnbrechende Entdeckung machten die beiden Spezialisten: Ein Tonfragment überrascht mit mehrmals wiederkehrenden identischen Buchstaben, die mittels beweglicher Letterpunzen in den Model gepresst worden sein müssen – und zwar bevor Gutenberg mit seinem Buchdruck bekannt wurde. Möglicherweise trugen Aachener Künstler also auch noch dazu bei, dass Johannes Gutenberg um 1448 den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfinden konnte.

 

„Manchmal entsteht der Eindruck, dass nach solchen archäologischen Funden Geschichte neu geschrieben werden muss“, so Kulturdezernent Wolfgang Rombey zu den bemerkenswerten Funden.

 

Die Ausstellung unter dem Titel „Bilderbäcker“ ist bis zum 31. Oktober 2011 täglich  von 10 bis 18 Uhr im Haus Löwenstein, Markt 39, Aachen, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

 

Weitere Informationen unter www.route-charlemagne.eu.

Aachener Stadtgeschichte – Band 1

Aachener Stadtgeschichte – Band 1

Nur die Namen derjenigen, die bis zum 1. August vom Subskriptionsangebot für den 1. Band der Aachener Stadtgeschichte Gebrauch machten und damit einverstanden waren, konnten in diesem Band aufgeführt werden. / 19.07.2011

Das Subskriptionsangebot zum günstigen Preis von 29,90 Euro gilt noch bis zum 31. Oktober. Danach werden die Bände im Buchhandel zum Preis von 39,90 Euro verkauft.

 

Dr. Thomas, R. Kraus, Archivdirektor der Stadt Aachen, gibt im Auftrag der Stadt Aachen und des Aachener Geschichtsvereins in den nächsten Jahren nach und nach die Stadtgeschichte Aachens in sieben Bänden heraus. Der erste Band stellt zunächst die natürlichen Grundlagen des Aachener Raumes vor, die sich der Mensch im Laufe der Jahrhunderte zunutze machen konnte. Er enthält darüber hinaus Darstellungen zur Ur- und Frühgeschichte sowie zur spätkeltischen und römischen Zeit Aachens bis hin zu den Karolingern.

Spätrömischer Wehrgraben am Katschhof gefunden

Spätrömischer Wehrgraben am Katschhof gefunden

Die Historiker haben es schon vor hundert Jahren vermutet, doch jetzt gibt es Gewissheit: In spätrömischer Zeit war der „Markthügel“ Aachens offenbar von einem Wehrgraben umgeben. / 14.07.2011
 

Im 5. Jahrhundert wurde dieser etwa sechs Meter breite und zwei Meter tiefe Graben wieder verfüllt. Dies ist eine Erkenntnis aus den archäologischen Ausgrabungen, die den Bau der Fernwärmeleitungen am Markt und Katschhof begleiten. „Der Markt war umfriedet, die Bürger der Stadt haben sich in den Wirren der Völkerwanderung dahin zurückziehen können“, glaubt Stadtarchäologe Andreas Schaub. An der Baustelle wurde dieser Graben auf einer Länge von etwa zwanzig Metern verifiziert. Was genau in vorkarolingischer Zeit auf dem Markt gestanden hat, darüber gibt es nur Mutmaßungen. „Wir haben keine brauchbaren Erkenntnisse“, so Schaub, „es ist zu vermuten, dass der Vorläufer des heutigen Rathauses nicht nur zufällig an dieser Stelle gebaut wurde.“

 

Bei den Ausgrabungen wurde darüber hinaus das bislang älteste Fragment mit christlicher Symbolik Aachens entdeckt: Auf einer Scherbe einer Keramikschüssel sind ein Kelch und Weintrauben abgebildet. Sie stammt wahrscheinlich aus dem ersten Drittel des 5. Jahrhunderts und wurde im Nordosten des heutigen Frankreichs hergestellt. Funde von Hirschgeweihen deuten auf die Produktion von Messergriffen hin.

 

Auch am ehemaligen Brot-Schneider-Parkplatz an der Prinzenhofstraße haben Andreas Schaub und seine Mitarbeiter interessante Entdeckungen gemacht. Dort kamen Reste einer frühmittelalterlichen Grabstätte zum Vorschein, die offenbar beraubt worden ist. „Das Skelett war in großen Teilen intakt, nur der Kopf- und Brustbereich war durcheinander“, so Schaub. Das deute darauf hin, dass die Beigaben von Brustschmuck später entfernt worden sind. „Die Beigabensitte endet um das Jahr 700“, erläutert der Stadtarchäologe.

 

Darüber hinaus wurden dort spätgotische Tonreliefs mit Heiligendarstellungen gefunden. Sie wurden als „Model“ bei der Produktion von Pilgerzeichen verwendet, die man zum Beispiel am Hut oder an der Kleidung trug zum Zeichen, bei der Heiligtumsfahrt dabei gewesen zu sein. Sie werden in nächster Zeit im Haus Löwenstein ausgestellt.

Bedeutende Funde an der Dominformation

Bedeutende Funde an der Dominformation

Erstmals gesicherte Hinweise auf eine karolingerzeitliche Bebauung westlich der Pfalz? / 04.06.2010
 

Seit einigen Wochen finden am Klosterplatz Arbeiten für die neue Dominformation statt. Die dabei erforderlichen Erdarbeiten im Bereich des künftigen Eingangs werden durch die Stadtarchäologie begleitet. Trotz geringer Bodeneingriffe konnten schon jetzt bedeutende Funde gemacht werden. So wurde ein mittelalterlicher Kellerraum angetroffen, dessen ursprünglicher Fußboden aus Blausteinplatten in Teilen noch erhalten war. Unter diesem Plattenbelag wurde ein kompliziertes Kanalsystem vorgefunden, dessen Zweck noch unklar ist. Darüber hinaus fanden sich auch Reste römischer Gebäude.
 

Aus dem frühen ersten Jahrhundert nach Christus haben sich Spuren von Holzbauten in Form von Erdverfärbungen erhalten. Aus späterer Zeit stammt das Fundament eines Steingebäudes. Es verläuft in südwest-nordöstlicher Ausrichtung und bildete vermutlich den nordwestlichen Abschluss des Hauses. Aufgrund dieses Befundes kann man wohl den Verlauf einer seit langem bekannten römischen Straße, die im Quadrum des Domklosters nachgewiesen ist, weiter nach Südwesten ergänzen.
 

Aus vermutlich spätkarolingischer Zeit (ca. 9./10. Jahrhundert) wurde eine große Grube angeschnitten. Aufgrund der Dimension könnte es sich um einen Erdkeller handeln. Sollte sich die Datierung im Zuge der abschließenden Bearbeitung bestätigen, hätten wir damit erstmals gesicherte Hinweise auf eine karolingerzeitliche Bebauung westlich der Pfalz.

Mittelalterlicher Keller mit Resten des Blausteinplattenbodens. Wo die Platten fehlen, sind Reste von Ziegelkanälen zu sehen. Die Steine in der unteren Bildmitte, links von den Blausteinplatten stammen von einem römischen Mauerfundament.
Römische Funde an der Prinzenhofstraße

Römische Funde an der Prinzenhofstraße

Bei den aktuellen archäologischen Ausgrabungen auf dem Brot-Schneider-Parkplatz an der Prinzenhofstraße konnten zwei bemerkenswerte Funde aus römischer Zeit gemacht werden. / 08.04.2011
 

Entdeckt wurden Reste eines römischen Militärgrabens, der offenbar ein Soldatenlager abgesichert hat. Dieser sogenannte Spitzgraben war ursprünglich etwa 2,20 Meter tief und 5,60 Meter breit und stammt aus der Zeit zwischen Ende des ersten bis Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi. „Das war eigentlich eine ruhige Zeit ohne große militärische Auseinandersetzungen“, meint Stadtarchäologe Andreas Schaub. Er vermutet daher, dass die Soldaten für Baumaßnahmen nach Aachen verlegt und eingesetzt wurden – zum Beispiel bei der Errichtung der Thermen in Burtscheid oder am Büchel. „Das war damals eine übliche Form der staatlichen Subvention“, so Schaub.

 

Der Graben konnte auf einer Länge von zehn Metern freigelegt werden, er verläuft etwa von der Treppe zur Prinzenhofstraße in Richtung Unterführung zur Kleinmarschierstraße.

 

Darüber hinaus wurde auf der Ausgrabungsstätte ein kleines römisches Pferd aus weißem Pfeifenton entdeckt. Andreas Schaub vermutet, dass es möglicherweise als Kinderspielzeug verwendet wurde. „Da das relativ weiche Material jedoch kaum Abnutzungsspuren aufweist, halte ich es für wahrscheinlicher, dass es als kultisches Motiv gedient hat. Im Umfeld haben wir Reste von Räucherkelchen gefunden, in denen Weihrauch verbrannt wurde“, so Schaub.

 

Die Ausgrabungen werden Mitte April beendet sein, dann beginnt der Bau eines Erweiterungsgebäudes für das Gymnasium St. Leonhard.

 

Baumaßnahmen in Aachen werden insbesondere im historischen Kernbereich stets von archäologischen Untersuchungen begleitet. Die Ausgrabungen im Elisengarten im Herbst und Winter 2008/2009 haben zahlreiche wertvolle Erkenntnisse geliefert. Erstmals konnte die Siedlungstätigkeit der Kelten nachgewiesen werden, eine römische Herberge wurde entdeckt, die die Vermutung stützt, dass die Römer Aachen um Christi Geburt als planmäßige Siedlung angelegt haben. Vor einem Jahr wurden in Burtscheid erstmalig Reste der Thermen gefunden.

 

Im 2. Jahrhundert lebten etwa zwei- bis dreitausend Menschen in Aachen, es handelte sich für damalige Verhältnisse um eine relativ große römische Stadt linksseitig vom Rhein.

Reste der historischen Barbarossamauer gefunden

Reste der historischen Barbarossamauer gefunden

Bei den Kanalbauarbeiten der STAWAG in der Prinzenhofstraße wurden Reste der historischen Aachener Stadtmauer gefunden und freigelegt. / 15.02.2011
 

Sie ist ein Teil des inneren Mauerrings, der in den Jahren nach 1172 auf Veranlassung von  Kaiser Friedrich I. Barbarossa errichtet wurde, nachdem Aachen 1166 die Münz-, Markt- und Stadtrechte erhalten hatte. „Wir haben erwartet, sie an dieser Stelle zu finden, aber wir waren überrascht wie gut sie zum Teil erhalten ist“, erklärte Dr. Markus Pavlovic, Archäologe der Stadt Aachen. In der Straßenmitte jedoch fehlt ein gutes Stück, dort sind nur noch zwei Steinlagen vorhanden, der obere Teil wurde in früheren Zeiten einmal abgetragen. Auch der Kanalbau im Jahr 1896 hat ihr zugesetzt – von unten, denn die Abwasserkanäle wurden damals unterhalb der Barbarossamauer verlegt. Was mit den Mauerresten geschehen soll ist, noch unklar, denn der Kanalneubau an demselben Ort stößt auf technische Schwierigkeiten, wenn die Mauer erhalten bleiben soll. Möglicherweise wird sie daher abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Die Kanalbauarbeiten werden dadurch nur um etwa ein bis zwei Tage unterbrochen.

 

Die etwa 2,50 Meter breite Mauer besteht an der äußeren Schale unter anderem aus Mergelsteinen und Grauwacke, die aus dem weiteren Umfeld (zum Beispiel aus der Eifel) nach Aachen gebracht wurden. Das Innere wurde – aus Kostengründen – mit Gussmauerwerk verfüllt, einem Gemisch aus Mörtel und kleineren Steinen.